
Fast Forward or the metamorphoses of literary studies turning digital
Synopsis: Diese Vorlesung geht von den im Rahmen der digitalen Edition Briefe und Texte aus dem intellektuellen Berlin [http://tei.ibi.hu-berlin.de/berliner-intellektuelle/] gesammelten Erfahrungen aus, um der Frage nachzugehen, was Digitalisierung für die neuere Literaturwissenschaft bedeuten kann. Sollte es sich dabei nur darum handeln, „alte“ Fragen mit „neuen“ Methoden zu beantworten, wären die Widerstände gegen den Drang ins Digitale nur begrenzt nachvollziehbar.
Es ist ein typischer Gestus in der Literaturwissenschaft, sich von der Informatik als Schreckensbild der anti-Hermeneutik fernzuhalten. Doch nicht nur darin liegt das Misstrauen der Literaturwissenschaft gegenüber dem digital turn. Digitale Herangehensweisen treiben selbst die theoretischen Ecksteine der Literaturwissenschaft in die Enge, die sich durch das 20. Jahrhundert tapfer durchgeschlagen haben, etwa den Textbegriff oder die kanonische Literaturgeschichte. Die Literaturwissenschaft muss sich ebenfalls mit neuen Kommunikationsformen auseinandersetzen, etwa Bloggen oder Twittern, die sowohl als (geistes)wissenschaftliche Kommunikationsapparatur als auch als Kunstformen über ein hohes mediales Potential verfügen, das sich allerdings in beiden Bereichen nach wie vor Standards gerne entzieht. Zeigen nicht diese unterschiedlichen Formen der Digitalität vor Allem, dass das, was die Literaturwissenschaft dringend bräuchte, eher eine ernsthafte Aneignung dieser „neuen“ Fragestellungen durch „alte“ Methoden wäre?
Dieser Prozess der disziplinären Neubestimmung darf allerdings seinen ruhigen Selbsterkundungsrhythmus nicht ungestört gehen. Ein Kaninchen nach dem anderen wird aus dem Zaubererhut gezogen und darf in der Arena mithüpfen: Förderungen für Spezialformate der Digital Humanities, national gesteuerte Forschungsumgebungen, europäische Meta-Infrastrukturen, ja gar der Zwang zur Interdisziplinarität schreiben einen wesentlich hektischeren Rhythmus vor.
Diese Vorlesung möchte für eine reflexive Aneignung der digitalen Prozesse in der Neueren Literaturwissenschaft und darüber hinaus in den noch wenig digital akkulturierten Geisteswissenschaften plädieren.
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